Meine Texte zum Nachlesen:

Abendliche Gedanken


Abschied

Ich sitze am Schreibtisch, futtere Salzstangen
und stiere manchmal gedankenversunken
aus dem Gardine verhangenen Fenster. Zumindest
tue ich so, als ob ich nachdenke. Irgendwo
hinter mir dröhnt monotone Rockmusik aus
einem 10 cm-Lautsprecher an mein Ohr. Ich
höre nicht zu. Ich nehme sie nur wahr. Aber
das reicht auch. Ich denke an meinen Abschied
nächste Woche. „Mach’s gut, und schreib mal“,
„Alles Gute, Lothar“, „Gibst Du mir noch eben
Deine Adresse?“, „Vielleicht besuch’ ich Dich mal!“,
„Bleib’ so, wie Du bist!“ und „Ich werd’ Dich echt
vermissen. Hoffentlich sehen wir uns mal wieder,
tschüß!“ schwirrt es mir jetzt schon durch den Kopf.
Widerlich! Dieses ganze Brimborium macht das,
was mann Abschied nennt, nur noch schlimmer.
Ich hasse das! Ich werde mich (klamm-) heimlich,
still und leise verabschieden, davonschleichen.
Ein paar Anschriften werde ich noch austeilen und
einsammeln. Und dann ab. Ich sage höchstens
Eva so intensiv Lebewohl, wie Anke und
ich es getan haben. Sonst niemandem. Niemandem sonst.
An meine Beziehung zu Anke kommt nur Eva ungefähr
heran. Aber diese Intensität erreicht auch Eva nicht.
Trotzdem bin ich froh, dass ich Eva hab’. Sonst wäre ich
seit Ankes Abreise allein gewesen, so, wie ich es
ab nächster Woche auch wieder sein werde. Schade.

ls.

Zurück