Meine Texte zum Nachlesen:

Birne und Banane


Es war einmal vor langer, langer Zeit, da lebten ein Mann und eine Frau beisammen, denn sie liebten sich gar sehr. Sie lebten in einem wunderschönen Schloss, denn sie waren von allen Seiten eingeschlossen. Und da sie das Schloss nicht verlassen konnten, blieben sie daheim und versuchten, es sich ganz, ganz, ganz gemütlich zu machen. Und so lebten sie genügsam und aßen viel gesundes Obst. Der Mann aß liebend gern Bananen und seine Frau mochte Birnen besonders gern. Und da sie sich so sehr liebten, aßen sie auch jeweils etwas vom Obst des anderen.

            Eines schönen Tages jedoch sagte die Frau: "Ich möchte viel öfter Birnen essen als Bananen!" Da antwortete ihr Mann: "Nein, ich möchte viel lieber mehr Bananen essen als Birnen!" So ging das dann tagein, tagaus, und da sie beide nichts von Obstsalat hielten, vollzogen sie die Trennung vom Tisch. Und als sie gewahr wurden, dass ja das eheliche Doppelbett links die Form einer Banane hatte, denn der Mann schlief lieber mit einer weichen Banane als mit einer weichen Birne, und rechts die Form einer Birne, denn die Frau schlief lieber mit einer weichen Birne als mit einer weichen Banane, nahmen sie kurzerhand ihr obstiges Bett an beiden Seiten und zerrten es auseinander, so, dass jetzt ein breiter Spalt zwischen den Betten war. Und so prägten sie das geflügelte Wort der Trennung von Tisch und Bett. Da aber in den darauf folgenden Nächten beide abwechselnd öfter in den Spalt plumpsten... nahmen sie nun fortan Spalttabletten...

Hää? Nein! Halt, Moment, da stimmt was nicht... ach so, hier...

... beide öfter in den Spalt plumpsten, beschlossen sie, die Lücke mit Erde aufzufüllen, und damit sich niemand auf die Seite des anderen wälzen sollte, streuten sie noch Reißzwecken mit Bananenbirnen darauf. Außerdem baute sich die Frau eine hohe Mauer um ihr Kopfkissen, weil sie sein Schnarchen nicht länger mit anhören mochte. So lebten sie nun fortan unglücklich und unzufrieden und trotteten jeden Tag, den Gott werden ließ, von früh bis spät durch ihr großes Schloss, ohne sich anzusehen oder des anderen Obst zu achten – daher der Ausdruck "Alltagstrott". Ja, und so ging das Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr, 40 Jahre lang, denn die Frau hatte sich damals beim Reißzweckenausstreuen nur ganz leicht in den Finger gepiekst.

            Doch eines Nachts, nach 40 Jahren also, bekam die Frau ihre Montage nicht mehr, nichts verlief mehr in geordneten Bahnen, der ganze Körper schien nicht mehr arbeiten zu wollen. Besonders schlimm war es in Unterleipzig, denn dort versammelten sich dann jedes Mal Tausende aufgebrachter Eizellen, die keine Lust mehr hatten, den lebensgefährlichen Eisprung zu wagen. Zu viele von ihnen waren in den letzten vier Jahrzehnten auf einer Reißzwecke gelandet, als sie versuchten, mit einem Sprung der Verzweiflung dem immergleichen Geschmack von Birne zu entfliehen, um endlich ins gelobte Bananenland gelangen, und sich an den ersehnten Früchten gütlich tun zu können.

ls010197

ls.

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