Meine Texte zum Nachlesen:

Meine Familie, Teil II: Familienbande


Bänder, die mich halten,
Bandagen, die gleichzeitig Halt geben und fesseln,
Ambivalenzen, wo ich hinschaue,
meine Familie als Halt durch meine Ahnen,
als Vermächtnis,
als unabwendbares Schicksal vielleicht? –
Vielleicht! –
Vielleicht auch nicht!
In jedem Fall Familienbande,
eine Bande,
die das Band der Familie weiter knüpft.
Die Bande ist stark und mächtig, sie hält –
was sie verspricht.
Opa Ferdinand hat versprochen,
bei mir zu bleiben,
nachdem ich ihm seine Ablehnung
der Zeit gegenüber abgenommen,
auf mich genommen habe.
Den Groll, den er auf sein Umleben hatte,
sein Wunsch nach alten Zeiten
hat sich nicht erfüllt.
Erfüllt war nur er
von Ablehnung und Bitterkeit.
Die habe ich ihm abgenommen,
habe ihm dadurch sein Leben verlängert,
es ihm leicht gemacht.
Als er ging,
wollte mich seine Seele weiter begleiten.
Sie hat es getan, ohne mich zu fragen.
Ich habe sie verabschiedet,
aus meinem Körper, aus meinem Leben,
und sie ist gegangen.
Endlich gehst Du Deinen eigenen Weg.
So kann ich meinen auch gehen.

Der Weg meiner Oma indessen
war der Weg der Dienerin und Mutter.
Sie hat meinem Opa gedient
und meinen Vater mit ihrer Mutterliebe zugeschüttet,
bis der junge Atem erstickte, sie ihn erdrückte.
Das nenne ich emotionalen Missbrauch.
Ihre Wut auf meinen Opa
verhinderte ihre Liebe für ihn.
So stürzte sie sich auf ihren Sohn, meinen Vater,
auch wenn sie zu uns Kindern
fürsorglich und liebevoll war.
Er ist als emotionales Wrack geendet.
Klar, dass uns beiden nur die Distanz
durch einst zuviel Nähe blieb.
Das kann ich jetzt besser verstehen,
vielleicht kann ich so eines Tages
auch besser damit umgehen.

Und die familiäre Seite meiner Mutter?
Was wird sie mir für Geheimnisse offenbaren?
Was wird sie mir für Erkenntnisse bringen?
Ich weiß es nicht.
Ich lasse mich überraschen,
lasse mich auf alles Neue ein.
Ich möchte offen sein für das,
was mir aus meiner Geschichte,
meiner Ahnenreihe noch begegnet.
Heute wurde ich gelehrt,
dass ich mir meine Eltern,
meine Familie ausgesucht habe.
Habe ich mir damit auch das erfahrene Leid ausgesucht?
Versteht meine Familie dieses Leid?
Ich weiß es nicht.
Weiß nur, ich habe mich dafür entschieden,
dieses leid nicht weiter zu geben.
Aber die Frage bleibt und ich bin gespannt:
Was werde ich wohl weiter tragen
von dieser Familienbande?

ls.

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